Adam Curtis – The Century of the Self

Die preisgekrönte 4-teilige BBC Serie von Adam Curtis von 2002 beleuchtet die Propagandamaschinerie, mit welcher die Konzernindustrie und die politischen Machthaber die psychoanalytischen Erkenntnisse Sigmund Freuds und seines Neffen Edward Bernays  mißbrauchen, um die, ihrer Meinung nach, unberechenbare und triebgesteuerte Bevölkerung im Zeitalter der "Massendemokratie" kontrollieren zu können.

Zum einen stellt Adam Curtis die Theorien von Sigmund Freud und seiner Tochter Anna Freud vor, welche unsere Wahrnehmung von der Welt grundlegend verändert haben, und zum anderen wird auch deren wichtigster Kontrahent Wilhelm Reich behandelt. Neben diesen generellen historischen Aspekten werden auch die Auswirkungen derer psychoanalytischer Weltbilder auf unsere Gesellschaft analysiert.

Ein Hauptthema dabei sind die psychologischen Tricks, mit denen die Industrie und die Politik versuchen, ihre Produkte und Ideen für uns so attraktiv wie möglich zu gestalten. So war Freuds Neffe Edward Bernays, welcher im 1.Weltkrieg die Propagandakampagne der US-Regierung unter Woodrow Wilson gegen Deutschland anführte, auch der Begründer der Public Relations Industrie (PR- od. Werbeindustrie heute).
Curtis stellt in seiner Dokumentationsreihe die damit verbundenen kritischen Fragen nach den tieferen Absichten und den Wurzeln unserer Konsumgesellschaft, unserer representativen Demokratien und unserer allgemeinen Sichtweisen auf unser eigenes Selbst.

Während es früher bei Werbungen und in den politischen Debatten darum ging, das rationale bewusste Denken und die Bedürfnisse der einzelnen Bürger und der Gesellschaft als Ganzes anzusprechen und zu erleichtern, analysiert die Doku, wie die Erkenntnisse der Psychoanalyse bis zum heutigen Tage mißbraucht werden, um die irrationalen triebhaften Impulse der Menschen zu befriedigen und deren begrenzte selbstzentrierten egoistischen Interessen zu fördern (das "alleskonsumierende egoistische Selbst").
Neben dem reinen Profitdenken zeigt sich bei näherer Betrachtung hier auch die Absicht, den Konsum als Mittel der gesellschaftlichen Kontrolle zu benutzen, um damit die Menschen auf dem Niveau einer "grasenden Herde" (laut Walter Lippman) zu halten. Auf diese Weise können sich die selbsternannten Machthaber (das Unwort: "Elite") ungestört um ihre Politik kümmern, während die Massen den endlosen Befriedigungen ihrer suggerierter Konsumwünsche hinterherjagen, in der unmöglichen Hoffnung, dabei irgendwann ihr Glück zu finden.

Ich kann den Film jedem wärmstens empfehlen, der unsere Gesellschaft in ihren Grundfesten besser zu verstehen sucht und sich womöglich fragt, weshalb die Menschen trotz steigenden Konsums nicht glücklicher werden. Allerdings muss ich sie warnen, dass sie sich nachher womöglich angeekelt von unserem Konsumwahn abwenden und beginnen werden, sich mehr auf die wahren Werte im Leben zu konzentrieren!

Update 23.03.2015:
Sprache: Englisch (ich konnte leider noch nicht für alle Teile deutsche Version ausfindig machen ...!).

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Teil 1: Glücksmaschinen (deutsche Untertitel)

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Teil 1: Happiness Machines

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Teil 2: The Engineering of Consent

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Teil 3: There is a Policeman Inside all our heads he must be destroyed

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Teil 4: Eight People Sipping Wine in Kettering

Download: hier, 1, 2, 3, 4  oder Adam Curtis - The Century of the Self

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Auszeichnungen:

  • Beste Dokumentarserie, Broadcast Awards
  • Historischer Film des Jahres, Longman/History Today Awards

Nominiert für:

  • Bester Dokumentarfilm, Royal Television Society
  • Bester Dokumentarfilm, Indie Awards
  • Beste Dokumentarserie, Grierson Documentary Awards
  • Bester Dokumentarfilm, William Coupan Memorial Award

 

Adam Curtis Dokumentarfilmreihe wurde in einem anderen Film namens Psywar nochmals zusammengefasst.

[Dieser Artikel erschien bereits im April 2011 auf Satyagraha und wurde von mir noch einmal überarbeitet. Ich denke, dass aufgrund der Brisanz der Doku, diese eine gute Wahl für einen Filmabend während der besinnlichen Weihnachtszeit darstellt - gerade richtig nach dem vorweihnachtlichen Kaufgetümmel, dem sich die meisten anscheinend freiwillig aussetzen 😉 ]

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Weiterfürende Artikel:

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Quellen:

  • http://en.wikipedia.org/wiki/The_Century_of_the_Self

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Dokumentationen, Gesellschaft & Politik, Mediathek, Medien & Manipulation, , , , , , , , , , , , , Permalink

6 Responses to Adam Curtis – The Century of the Self

  1. jovi says:

    die bernay’schen erkennt­nis­se zur pro­pa­gan­da wer­den nicht miss­braucht son­dern ein­fach ange­wen­det. ist ja ganz in sei­nem sin­ne, dass da volk durch eine intel­lek­tu­el­le éli­te ange­führt wird. von miss­brauch wür­de er selbst wohl nicht spre­chen.

    • Athenoctus says:

      Ich kann mir gut vor­stel­len, dass Bernays und vie­le ande­re Vertreter der sogen. „Élite” viel­leicht sogar gute Absichten damit heg(t)en, die Massen in Unwissenheit und Unverantwortlichkeit „gra­sen zu las­sen”. Legt man Freud’s Theorien über das Es auf die Gesellschaft um, so ver­sucht die­se Élite, die sich selbst als ver­nunft­be­gab­ter, sitt­li­cher und gebil­de­ter sieht, die gefähr­li­chen Instinkte und Triebe der Massen durch den Konsum und die Gehirnwäsche der Medien unter Kontrolle zu hal­ten. Vielleicht dach­te Bernays, dass er damit die Gesellschaft am Leben erhält und vor Chaos und Zerstörung beschützt, und sei­ne Erkenntnisse in die­sem Sinne nützt, und nicht „miß­braucht”.

      Ich stim­me mit Bernays Weltbild dies­be­züg­lich nicht über­ein. Nicht nur, dass er bei den Menschen viel Leid durch uner­füll­ba­re Wünsche und fal­sche Werte etc. erzeugt hat, son­dern er hat damit auch den Grundstein für Massenmanipulation in nie dage­we­se­nem Ausmaß gelegt. So war er z.B. für Göbbels ein Vorbild.
      Anstatt mit den Erkenntnissen sei­nes Onkels Sigmund zu ver­su­chen die Menscheit zu ver­bes­sern, hat er einer klei­nen Gruppe die Zügel in die Hände gege­ben, um die Völker noch effi­zi­en­ter aus­beu­ten zu kön­nen. Deshalb ver­wen­de ich hier das Wort „Mißbrauch”!

      Warum will man die nie­de­ren Triebe der Menschen för­dern? Wäre es nicht sinn­vol­ler, den Menschen z.B. Selbstkontrolle bei­zu­brin­gen und in wah­re Bildung statt in Ausbildung und Untertanentum zu inves­tie­ren?
      Wie sol­len die Massen denn auch anders reagie­ren, wenn sie außer „gra­sen” nichts ande­res bei­ge­bracht bekom­men?

      Die Intelligenz der Masse ist immer noch ein wich­ti­ger Forschungsbereich

  2. guru says:

    Video (Teil 1) wie­der ok.

    MfG

  3. Andrea says:

    What’s up, I log on to your blog dai­ly. Your humo­ris­tic style is wit­ty, keep doing what you’гe doing!

  4. Cathryn says:

    con­ti­nuously i uѕed to read ѕmаl­ler artіcleѕ whiсh аlso clear theiг moti­vе, and
    that is also hаp­pe­ning wіth this arti­cle ωhiсh I am rea­ding at thіs place.

  5. Torsten says:

    Die deut­schen Untertitel für alle 4 Teile fin­den sich hier: http://www.freemusicwiki.net/weblog/index.php/?p=2815

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