Starsuckers – Enthüllung einer von Berühmtheit besessenen Kultur

Die Dokumentation Starsuckers aus dem Jahre 2009 greift tief in die psy­cho­lo­gi­sche Trickkiste der Medien und expo­niert die an sich ein­fa­chen Prinzipien mit denen sie die Massen in ihren Bann schla­gen und unser Weltbild und unse­re Kultur grund­le­gend for­men. Warum hat denn „berühmt zu sein” eigent­lich für so vie­le Menschen  einen so hohen Stellenwert? Warum wer­den Prominente so ver­herr­licht? Und wie spie­gelt sich das in unse­rer Gesellschaft wie­der?

Ohne es zu wis­sen oder gar zu ahnen, sind Millionen von Menschen den Tricks und der Manipulation der Medien anheim gefal­len. Sie sind Meister dar­in uns zu fas­zi­nie­ren, zu bezau­bern, in die Irre zu lei­ten, abzu­len­ken und zu kon­trol­lie­ren.

Die Medien machen sich dabei eine ganz simp­le, jeder und jedem von uns inne­woh­nen­den Eigenheit zu Nutze:

Unsere natür­li­che, instink­ti­ve Begierde nach Berühmtheit.

Auch wenn die meis­ten das auf Anhieb bestrei­ten wer­den, so konn­ten auf­grund die­ses Prinzips die Medienkonglomerate eine immense Macht auf­bau­en. Die Prominenten wer­den dabei künst­lich zu Ikonen hoch­sti­li­siert, als Alpha-Männchen und -Weibchen prä­sen­tiert, die es nach­zu­ah­men gilt.
Schon vor lan­ger Zeit ori­en­tier­ten sich die Gruppenmitglieder einer jeden Sippe jeweils an den AnführerInnen, um sich dadurch mit­tels Immitation derer Eigenschaften und Verhaltensweisen selbst einen Überlebensvorteil zu ver­schaf­fen. Das medi­zi­ni­sche Korrelat sind dabei die seit 1995 bekann­ten Spiegelneuronen, die uns schon im Säuglingsalter das Kopieren von elter­li­chem Verhalten ermög­li­chen. Solche Muster kön­nen z.B. auch bei Primaten  beob­ach­tet wer­den.

Die Bedienung sol­cher uralter Instinkte spie­gelt sich im Mißbrauch der Stars (künst­li­che Alphatiere) als Werbeobjekte für die ver­schie­dens­ten Konsumprodukte wie­der. Uns Untertanen soll weis­ge­macht wer­den, dass wir nur dann auch so erfolg­reich und reich (und anschei­nend so glück­lich) sein wer­den, wenn wir die sel­ben Produkte und Verhaltensweisen wie unse­re „Idole” ver­wen­den … und wir nur dann das Meiste aus unse­rem Leben her­aus­ho­len, wenn wir sel­ber auch reich und berühmt gewor­den sind.

„Narzis”, Öl auf Leinwand von Michelangelo Merisida da Caravaggio (1573 – 1610)

 

Der moder­ne Voyeurismus mit all sei­nen papa­raz­zisti­schen Auswüchsen in den Boulevardmedien oder auch die nar­ziss­ti­sche Selbstdarstellung von Millionen von Menschen auf sozia­len Onlineplattformen wie z.B. Facebook oder Twitter wer­den gezielt geför­dert. Dass das gan­ze Schauspiel aber nur ein Trick ist, um uns von Kindesalter an künst­li­chen Wertvorstellungen aus­zu­set­zen und uns brav im Hamsterrad stram­peln zu las­sen, erken­nen die meis­ten zu spät (wenn über­haupt).

 

 

Der Konsum ist das Soma unse­rer Schönen Neuen Welt gewor­den. Wie in Aldous Huxley’s dys­to­pi­schen Roman wer­den wir dadurch künst­lich glück­lich gehal­ten und akzep­tie­ren oder ver­drän­gen eher die Mißstände unse­rer euphe­mi­sier­ten Kultur, die sich ansons­ten in Unzufriedenheit und Depressionen äußern. Dieser pri­mi­ti­ve Trick ist einer der künst­li­chen Motoren der die zer­stö­re­ri­schen Massenkonsumgesellschaften heu­te am Leben erhält.

Wie und war­um die Medien die­se instinkt­ver­bun­de­nen Muster für sich zu Nutzen machen, erklärt der Dokumentarfilm Starsuckers in Form von 5 Kapiteln:

  1. Beginne mit ihnen wenn sie jung sind
  2. Halte sie süch­tig
  3. Festgefahrenes Verlangen
  4. Sammeln von Informationen
  5. Erschaffen von Nachrichten

So gelang es dem Filmteam von Starsuckers unglaub­li­cher­wei­se selbst erfun­de­ne Geschichten über Prominente an ver­schie­de­ne Zeitungen in England zu ver­kau­fen (z.B. „Avril Lavigne wur­de schla­fend in einem Nachtklub gese­hen”). Die Lügengeschichten wur­den dann ohne der gerings­ten Überprüfung der Angaben gedruckt und aus­ge­lie­fert. Es ist ein trau­ri­ges Zeugnis eines aus­ge­ar­te­ten „Kopieren-Einfügen-Journalismus” ohne Ethik gewor­den, der in der Spitzelaffäre um Rupert Murdochs Medienimperium einen neu­en offi­zi­el­len Höhepunkt erreicht hat. Es geht nur noch dar­um die Bevölkerung mit irgend­wel­chen Geschichten zu füt­tern, zu unter­hal­ten und bei Laune zu hal­ten, ohne Rücksicht auf die Wahrheit zu neh­men.

Die 5 prä­sen­tier­ten Punkte sind die Grundbausteine, mit denen die Medien das Berühmtheits-Prinzip zur Kontrolle der Massen und zum Aufbau ihrer Macht miß­brau­chen. Dass die Politik vor einem sol­chen Machtapparat kuschen muss, oder ihn selbst benützt, liegt auf der Hand.

Wir wer­den nicht wie Bürger behan­delt, son­dern zu instinkt­ge­steur­te Konsumenten degra­diert, zu ein­fach steu­er­ba­ren Untertanen. Wir wer­den nicht wie Menschen behan­delt, son­dern zu Sklaven unse­rer mate­ria­lis­ti­schen Bedürfnisse erzo­gen, zu Affen gemacht. In einem Alter, in dem wir uns intel­lek­tu­ell noch nicht gegen das media­le Bombardement zur Wehr set­zen kön­nen, wird uns schon im Gehirn her­um­ge­fum­melt und uns die „rech­te” Lebenslaufbahn vor­ge­ge­ben. Jeder Ausreißer aus dem System wird belä­chelt, aus­ge­grenzt oder für ver­rückt gehal­ten. Und es wach­sen gera­de gan­ze Generationen her­an, die noch nie so stark unter dem Einfluss der Medien stan­den wie die heu­ti­gen …

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Download: hier oder Starsuckers

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Die Dokumentation Starsuckers wur­de durch S2S Productions von Christina Slater und Felicity Leabeater unter der Regie von Chris Atkins pro­du­ziert.
Leider konn­te ich noch kei­ne deut­sche Version oder deut­sche Untertitel zum Film aus­ma­chen. Wenn jemand von euch eine sol­che fin­den soll­te, wür­de ich mich über eine Nachricht freu­en 🙂 !

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Zur Vertiefung der Thematik emp­feh­len wir inter­es­sier­ten Lesern/​ Zuschauern wei­te­re Dokumentarfilme und Reportagen aus unse­rer Mediathek:

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Dokumentationen, Mediathek, Medien & Manipulation, , Permalink

13 Responses to Starsuckers – Enthüllung einer von Berühmtheit besessenen Kultur

  1. Totems says:

    Interessanter Film. Auch wenn (zumin­dest für mich) vie­les schon bekannt war, ist es den­noch eine gut gemach­te doku mit vie­len span­nen­den Beispielen.
    Mir ist es völ­lig unver­ständ­lich, wie Eltern sol­che cas­tings mit ihren Kindern machen kön­nen. Völlig ver­rückt find ich die­ses „Star” gema­che. Die Story um den 5-Jährigen mit sei­nen Eltern ist ein­fach nur erschre­ckend… kran­ke (medi­en-) Welt!
    Zwar eigent­lich eh klar trotz­dem scho­ckie­rend, wie wenig Medien bei Storys nach­prü­fen. Da wird ein­fach alles gedruckt nur um den Gossip zu befrie­di­gen.

    Spannedn auch am Ende die Sache mit LifeAid. Das gan­ze als „Ablenkungskampagne” zu inze­nie­ren ist schon wild. Aber wen wun­derts… Medien und Politik sind eben per­fekt im Inszenieren und Manipulieren.

    Beste Aussage für mich des Films: „Weniger (bzw. kein) Fernsehen/​Medienkonsum för­dert die psy­chi­sche Gesundheit (und die Fähigkeit zum selbst­stän­di­gen den­ken)!” Das unter­schreib ich alle­mal!

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