Schwarz wie Milch: Kurzfilm über mediale Manipulation

Schwarz wie Milch /​ Black Like Milk: Konzeption und Realisation eines Kurzfilmes zum Thema „Beeinflussung durch Medien”.

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Sprechertext:
„So bald ich mei­ne Augen öff­ne, wer­den die Gedanken, die ich habe, nicht mehr mei­ne eige­nen sein. Die Menschen reden aus­schließ­lich über die Dinge, die sie von den Medien ein­ge­trich­tert bekom­men haben. Totaler Nonsens! Wen inter­es­sie­ren die Milchpreise, wenn im Irak Menschen ster­ben?

Ich bin Student und ich habe eine eige­ne Meinung! In wel­che Richtung ich gehe ent­schei­de ich doch sel­ber? Und wenn ich nicht für sie bin… dann wer­de ich eben gegen sie sein.

Niemand inter­es­siert sich für einen wei­te­ren Bombenanschlag, wenn unse­re Berühmtheiten schwan­ger wer­den. Ein ein­fa­ches „Und… jetzt“ des Nachrichtensprechers reicht aus um mich alles ver­ges­sen zu las­sen.

Geht es immer nur um Geld? Fühle ich mich des­halb zu klein, zu dick, zu unbe­liebt? Als ob ich ver­ges­se wer ich bin. Als ob ich es zulas­se, dass man mich mani­pu­liert.

Ich muss noch ein­kau­fen!

Ich brau­che Milch. Sonst eigent­lich nichts. Warum kau­fe ich eigent­lich kein Rindfleisch mehr, war BSE nicht eine Lüge? Dass Milch den Körper ver­schlackt, Vitamine zer­stört und sogar das Krebsrisiko stei­gert, dar­über sagt nie­mand etwas. Zu viel Geld wird damit gemacht. Als ob die Regale zu mir spre­chen, ich kauf es trotz­dem… und nicht nur das.

Nur Werbung, geist­lo­se Unterhaltung und poli­ti­scher Schwachsinn über­flu­ten die Bildschirme. Einer lügt mehr als der Andere. Und wenn die Welt nur noch aus Lügen besteht, dann wird die Wahrheit das Einzige sein, was nie­mand mehr glaubt. Und wer­de ich mei­ne Augen schlie­ßen und weg­se­hen…

Nein… ich habe mei­ne eige­ne Meinung! Ich traue nicht den schö­nen Bildern und den Worten, die mir ver­bie­ten selbst zu den­ken. Ich wer­de suchen und ich wer­de die Wahrheit fin­den. Auch wenn es mir nicht bewusst war, dass ich mani­pu­liert wur­de… Oder hast du es gemerkt? Ich hof­fe du bist nicht mei­ner Meinung?“

Text blen­det ein: „Und… jetzt“ Informiere dich über die Hintergründe!

Webseitentext:
„Die Sprache ist dem Menschen gege­ben, um sei­ne Gedanken zu ver­ber­gen“. – Charles Maurice de Talleyrand

Der Grund dafür, dass Menschen an die Öffentlichkeit gehen, ist kei­nes­wegs selbst­los. Mit jeder Publikation wird ein Ziel ver­folgt. In den meis­ten Fällen geht es um Anerkennung, Geld oder die Verbreitung der eige­nen Meinung. Jeder hat eine eige­ne Meinung oder geht wenigs­tens davon aus. Sobald die­se öffent­lich wird, sol­len Menschen beein­flusst wer­den. Um beein­flus­sen zu kön­nen, muss über­zeu­gend prä­sen­tiert wer­den, wie zum Beispiel in einem kur­zen Film durch Schauspieler oder einem Sprecher, der das Gezeigte in gewünsch­ter Weise kom­men­tiert. Manipulativen Charakter bekommt ein Film auch dadurch, dass Bildausschnitte feh­len oder mit ande­ren bewusst in Zusammenhang gebracht wer­den. So kön­nen bei­spiels­wei­se selbst zusam­men­hang­los Milchpreise mit ster­ben­den Menschen im Irak ver­gli­chen wer­den. Ist das nicht total geschmack­los? Den Wenigsten fällt es auf. Warum auch? Im Vergleich zum Irak Krieg erscheint das Problem der Bauern mit den nied­ri­gen Milchpreisen als nich­tig. Die Aussage muss man doch beja­hen. Wen küm­mert es, dass es den Bauern die Existenz kos­tet? So schnell und soweit denkt nie­mand. Glaubst du Manipulation rich­tet sich nur gegen dich? Skeptisch gewor­den?

Es ist ein natür­li­cher Bestandteil vom Leben, dass wir beein­flus­sen und beein­flusst wer­den. Auch ich ver­su­che dich auf mei­ne Seite zu zie­hen. Denke dar­an, die­se Arbeit bil­det kei­ne Ausnahme, denn was hier gesagt und gezeigt wird, ist schlicht­weg sub­jek­tiv. Weder Quellenangaben noch wis­sen­schaft­li­che Analysen stüt­zen die­ses Projekt. Es bleibt ver­bor­gen, woher die­ses Wissen stammt. Interessiert das jeman­den? Ich schaf­fe ein typi­sches Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist man dafür oder dage­gen. Ganz schön radi­kal. Skeptisch gewor­den?

O.K. die Menschen sind abge­stumpft und reagie­ren auf poli­ti­sche Schreckensmeldungen nur noch bedingt bedrückt. Woran liegt das? An der Gesellschaft? Das hört sich so an, als wäre es etwas Fremdes. Die Gesellschaft, das sind wir! Wieso klin­gen die­se Sätze, so als hät­te ein Anderer dar­an Schuld? Natürlich liegt es letzt­end­lich an der enor­men Masse an Informationen, die täg­lich auf­ge­nom­men wer­den und bei der Masse der Schreckensmeldungen stumpft man mit der Zeit ab. Doch sind wir sel­ber dafür ver­ant­wort­lich. Sind es nicht wir, die in der Tageszeitung lie­ber etwas über Berühmtheiten lesen, als über Mord und Todschlag im Irak? Es ist so ein­fach den Medien dafür die Schuld zu geben und gera­de das recht­fer­tigt unse­re pas­si­ve Haltung. Skeptisch gewor­den?

Das Bild, das die Werbung ver­mit­telt, stellt nicht die rea­le Welt dar. Es geht um Ideale, Visionen und Suggestion. Überall sind glück­li­che, schö­ne und schlan­ke Menschen zu sehen, deren Anblick uns ver­zau­bert und wün­schen lässt, wir wären so, wie sie. Selbstzweifel, Magersucht und die Flucht in eine Scheinwelt sind die Folgen. Und das alles allein wegen der Werbung? Sicherlich soll­ten Kinder nicht pau­sen­los kom­mer­zi­el­les Fernsehen schau­en.

Doch dafür sind die Eltern ver­ant­wort­lich. Was soll­te die Werbung tun? Aufhören zu wer­ben? Dann kön­nen die Unternehmen sofort Insolvenz anmel­den. Warum sind wir so emp­fäng­lich für Reize? Skeptisch gewor­den?

Es war schon ein selt­sa­mes Phänomen, als die Medien hin­sicht­lich BSE Angst schür­ten. Nicht ein Mensch ist in die­sem Land dar­an gestor­ben. Wäre aber das Gegenteil der Fall gewe­sen, wäre dann nicht alles gerecht­fer­tigt? Was hat das eigent­lich mit Milch zu tun? Überhaupt nichts, außer dass bei­des vom Rind kommt! Was ist, wenn ich dir sage, Milch, macht krank oder för­dert den Alterungsprozess, Milch ist etwas Schlechtes und es gibt Bücher, die die­se Thesen bele­gen? Kann man nicht jedes Produkt in einem posi­ti­ven oder nega­ti­ven Licht erschei­nen las­sen? Zum Beispiel: Eier erhö­hen den Cholesterinspiegel, Brot för­dert die Zuckerkrankheit, Fleisch begüns­tigt den Herzinfarkt usw. Das alles kann man irgend­wo nach­le­sen. Was gibt es Unschuldigeres, als die wei­ße Milch? Verliere ich gera­de mei­ne Objektivität? Skeptisch gewor­den?

Wenn die Welt nur noch aus Lügen besteht, dann wird die Wahrheit das Einzige sein, was nie­mand mehr glaubt. Ein schö­ner Satz, oder? Drehen wir ihn mal um. Wenn die Welt nur noch aus Wahrheiten besteht, erkennt nie­mand mehr die Lüge. Funktioniert auch. Nur weil man einen Satz mit „Ja“ beant­wor­ten kann, bedeu­tet es nicht, dass er dei­ner Meinung ent­spre­chen muss. Wir leben in kei­ner schwarz wei­ßen Welt. Manipulation funk­tio­niert aber nach die­sem stu­pi­den Prinzip. Wer sich infor­miert wird eine eige­ne Meinung haben.

Glaubst du alle Menschen, die die­sen Film gese­hen haben lesen auch das hier? Dass Manipulation funk­tio­niert ist unse­re Schuld…

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Dieser Kurzfilm wur­de im Rahmen einer Bachelorarbeit der Hochschule Ulm, Studiengang Digital Media, von Stefan Kempas unter Leitung von Prof. Manfred Gaida pro­du­ziert.

Für mehr Infos: http://www.schwarzwiemilch.de/







Download: hier
oder Schwarz wie Milch

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3 Responses to Schwarz wie Milch: Kurzfilm über mediale Manipulation

  1. Totems says:

    Guter Film!!!

  2. guru says:

    Hallo!

    Guter Film scheint mir etwas unter­trie­ben.

    „Die Sprache ist den Menschen gege­ben, um sei­ne­Ge­dan­ken zu ver­ber­gen.”
    Charles Maurice de Talleyrand .…
    Bitte die Hintergründe auf ange­ge­be­ner Webseite lesen!

    Mir erscheint die Darstellung, war­um und wie Meinungsmanipulation betrie­ben wird, sehr auf­schluß­reich. Und wenn man etwas dar­über nach­denkt, dann ertappt man sich selbst als täg­lich mani­pu­lier­tes Objekt!

    MfG

  3. Peter Barchus says:

    Asking ques­ti­ons are tru­ly fas­t­idious thing if you are not under­stan­ding any­thing total­ly, except this para­graph gives fas­t­idious under­stan­ding yet.

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